EMC – ElektroMobilitätsClub

Die Probleme mit der “Ladeweile” …

Eni1Immer wieder sind wir Elektroautofahrer darauf angewiesen, bei Ladestationen zu halten, um unsere Autos mit Elektronen zu befüllen. Befüllen ist ein gutes Stichwort, denn auch die Mägen der Fahrer wollen gefüllt werden. Daher ist es immer wieder schön zu sehen, wenn Ladesäulenbetreiber ihre Tankstellen in der Nähe von geeigneter Infrastruktur bauen. So hat hier in Linz die Firma Smatrics wohl auch eine Kooperation mit der Tankstellenkette Eni.

Da sie von der Entfernung her sehr praktisch situiert ist, besuchte ich in letzter Zeit öfters die Eni-Tankstelle an der Linzer Unteren Donaulände 15. Das Personal ist freundlich und verkürzt einem bei Smalltalk immer wieder die Zeit während des Ladens. Auch hat man dort die Möglichkeit, an einem kleinen Stehtisch, bei einem (leider nur) Automatencafe etwas zu trinken oder ein Sandwich oder ähnliches zu essen. Moment … Stehtisch? Nun, das stimmt (bzw. stimmte) nicht so ganz. Im Verkaufsraum befindet sich ein Wettautomat, bei dem früher einmal zumindest ein älterer Barhocker stand, welcher nun aber leider – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr vorhanden ist. Wenn ich nun 60 Minuten laden möchte, ist STEHEN doch relativ ungemütlich. Viele werden nun sagen: “ich kann mich ja auch während des Ladens ins Auto setzen”. Diese Überlegung ist zwar richtig, aber leider nicht immer PRAKTISCH. Wenn man bereits langjährige Erfahrung mit der Elektromobilität hat, weiß man, dass zum Beispiel eine ZOE, so lange sie lädt, NICHT heizen kann (WARUM wissen wohl nur die Experten von Renault). Als einzige Alternative kann man die kleine Französin nur mit der Fernbedienung der Schlüsselkarte immer wieder zu “5-Minuten-Heizphasen” überreden. Im Sommer, wenn die Sonne brütend auf das Auto knallt und die Innentemperaturen bereits einen Fünfer an der Zehnerstelle aufweisen, macht das Sitzen im Auto auch nicht wirklich Spaß.

Daher habe ich den Eni-Mitarbeiter vor Ort gefragt, wieso sie nicht eine Art Aufenthaltsraum etablieren, wo die – sicher immer mehr werdenden – Elektroautofahrer während des Ladens verweilen und etwas konsumieren könnten. Seine Antwort hat mich verblüfft!

Es gibt einen extra Raum, den man allerdings vom Verkaufsraum aus nicht wirklich erkennen kann, wenn man dies nicht weiß. Also begab ich mich zu diesem Raum. Nein, nicht Raum … ich würde es eher als “Kammer des Schreckens” bezeichnen! Ein grottenhäßlicher Bereich mit einer verdreckten Wand mit Löchern, welche seit Jahren nach einem neuen Anstrich schreit (irgendwann hat, dem Farbunterschied nach zu urteilen, dort sicher einmal ein Bild gehangen), ergänzt durch einen Tisch, an dem bereits die Furnier herunterbröckelt und abgerundet mit zwei abgetakelten grindigen Campingsesseln. Weiters standen auf dem Tisch 2 halbgefüllte Aschenbecher, die sicherlich als Grund für das “tolle” Odeure in diesem Verlies verantwortlich waren. DAS ist also die Umgebung, in der man sich AUFHALTEN sollte? Da ich es nach nicht länger als 20 Sekunden nicht mehr in dieser Kemenate aushielt, und ich diesen Raum fluchtartig verließ (Verlies? ein schönes Wortspiel) kann ich mir ehrlich gesagt NICHT vorstellen, dass dies eine geeignete Umgebung für irgendjemand, geschweige denn für eine Familie mit Kleinkindern ist, um hier während der Ladepause seine Zeit zu verbringen.

Es war mir ein großes Anliegen, diesen Umstand (oder sollte ich lieber Zustand schreiben?) an die Geschäftsführung von Eni Österreich heranzutragen. Ende Mai verfasste ich daher ein ausführliches Schreiben, um der Chefetage dieses italienischen Mineralölkonzerns darzulegen, dass hier noch viel Luft nach oben ist. Leider habe ich fast 4 Wochen vergebens gewartet … keine Reaktion. Daher habe ich telefonisch nachgehakt. Das Schreiben sei sehr wohl angekommen, allerdings erachte man diese Frage wohl als so wichtig, dass sich nicht ein Sachbearbeiter, sondern Mag. Christoph Dörflinger, Prokurist für Verkauf und Vertrieb persönlich meiner Frage annehmen wolle. Na dann warte ich halt weiter … Ein weiteres Monat ging ins Land und dann erhielt ich endlich Antwort auf meine Frage bzw. Anliegen. Diese langersehnte Antwort kam dann allerdings doch nicht von Herrn Dörflinger sondern von Frau Brigitte Kieslinger vom Retail Beschwerde-, Projekt-, & Preismanagement.

Hier ein Auszug ihrer Antwort:

Wir bitten Sie, die lange Verzögerung bei der Beantwortung Ihrer Nachricht zu entschuldigen. Das sollte kein Zeichen von Desinteresse sein. Im Gegenteil, es freut uns sehr, dass Sie, als Vertreter einer stetig wachsenden Gemeinschaft von E-Fahrzeug-Nutzern, unsere jüngst neu eingerichtete E-Ladestation an der Eni ServiceStation Linz Untere Donaulände zu schätzen wissen. Ihre Nachricht hat uns deutlich vor Augen geführt, dass wir das Konzept ganz offensichtlich nicht zu Ende gedacht haben. Wir werden uns bemühen, kurzfristig die Möglichkeit zum Verweilen während des Ladevorganges ein wenig angenehmer zu gestalten. Mittelfristig planen wir eine Neugestaltung des Backshopbereiches, um auf diesem Weg ein angemessenes Angebot zur Verfügung stellen zu können. Sie haben sicher Verständnis dafür, dass in einem Konzern die Budgetmittel nicht kurzfristig zur Verfügung stehen. In diesem Sinne bitte ich Sie und die Mitglieder Ihrer Interessensgemeinschaft höflich um etwas Geduld.

Mit freundlichen Grüßen – Best regards – Cordiali saluti

Klingt für mich sehr bemüht und stimmt mich absolut optimistisch. Jetzt hoffen wir nur, dass den Worten auch Taten folgen …

Dass es auch anders geht beweist Eni ja zum Beispiel bei ihrer zweiten Kooperationstankstelle in Linz in der Dallingerstraße 11 (A7, Autobahnabfahrt Franzosenhausweg). Dort stehen für die Ladeweile mehrere Tische und gemütliche Sitzecken, welche auch wirklich zum Verweilen einladen, zur Verfügung. An wärmeren Tagen kann man auch die überdachte Außenterrasse nutzen, und falls man Internet benötigt, steht auch ein gratis WiFi-Hotspot zur Verfügung. Die Verantwortlichen haben auch immer ein Auge auf die Smatrics Ladesäule, und falls sich ein Verbrenner auf den Ladeplatz verirrt, wird dieser sofort freundlich, aber bestimmt zum Wegfahren aufgefordert.

Eni2

Ich kann diesen Ladeort allen Vereinsmitgliedern und Lesern dieses Artikels wirklich wärmstens ans Herz legen, denn ich finde, dass hier alle Punkte, die für eine “Ladeweile” notwendig sind, PERFEKT umgesetzt und erfüllt wurden. Hier sieht man was alles geht, wenn der Pächter “Pro-Elektromobilität” eingestellt ist.

Als “Dankeschön” für unsere konstruktive Kritik wurde uns von Eni Österreich eine Gutscheinkarte zur Verfügung gestellt, die wir in den nächsten Wochen an unsere Vereinsmitglieder verlosen werden.

UPDATE: Bei einem “Lokalaugenschein” am 9.8.2016 wurde mir vom Mitarbeiter der Eni Tankstelle an der Unteren Donaulände mitgeteilt, dass bereits der Gebietsleiter vor Ort war, und dass Umbauarbeiten im Verkaufs- als auch im Aufenthaltsraum in nächster Zeit stattfinden werden. Weiters ist der oben erwähnte Barhocker wieder aufgetaucht und bietet nun zumindest EINER Person wieder eine Sitzmöglichkeit im Verkaufsraum.

(c) Gert Scherhammer

5 comments

  1. Lustig, war grad vor ein paar Stunden zum Laden am Unteren Donaulände dort, nachdem die Keba-Ladebox bei der KEBA-Zentrale Linz nach 67% SOC ihren Dienst an meinem ZOE verweigert hat. ;-(

    Hab erst überlegt hineinzugehen, aber die 20 min. habe ich dann doch im ZOE verbracht.

    Der Raum schaut mir aber doch sehr nach Raucherkammerl aus, oder? Kann mir nicht vorstellen, dass der extra für die wenigen “Lader” der Smatrics-Säule vorbehalten ist. Generell fände ich es aber auch super und wichtig, dass künftig mehr Ladestationen auch bei Tankstellen und Raststätten kommen. Wir sind genauso Autofahrer – die vielleicht auch einen Kaffee oder Snack zu sich nehmen wollen oder eine Zeitung holen wollen. Gewiffte Tankstellenbetreiber erkennen die neue Zielgruppe, kurzsichtige Pächter sehen uns als Konkurrenz.

  2. Die Antwort von ENI stimmt ja grundsätzlich positiv. Das die da jetzt ev. nicht die Mittel/Möglichkeiten haben, alle Standorte umgehend entsprechend zu adaptieren ist klar, aber es scheint als hätten sie die Zeichen der Zeit erkannt.

    Generell muss in dem Bereich noch einiges geschehen, die Tankstellenpächter stehen vor großen Herausforderungen, und müssen sich in den nächsten 3-5 Jahren auf völlig neue Kundenbedürfnisse einstellen. Dadurch bieten sich aber auch für die Pächter ganz neue Chancen.

    Vor kurzem habe ich mich mit dem Thema etwas beschäftigt, vielleicht ist es ja für den Einen oder Anderen interessant: http://www.ecario.info/elektroautos-als-chance-fuer-tankstellenpaechter/

  3. 26.Sept.2016
    Toll dass es Fortschritte gibt am Sektor E-Mobile, auch
    beim Service!
    Ein Tankstellenpächter der ein bisschen Weitsicht hat erkennt
    dass der Elektroautofahrer ein viel besserer Kunde ist als der
    Fossiltanker – bleibt er doch länger!
    Bei den Treibstoffen ist die Marge eh zum vergessen, ein Pächter
    lebt nur vom Zusatzgeschäft – und das ist bei angenehmer Umgebung
    einfach besser: Wohlfühlen zahlt sich aus.
    Und es braucht höfliche, aber bestimmte Wortmeldungen weil ohne
    Wissen der Chefetagen, dass da etwas getan werden muss geht auch nichts
    weiter. Die haben ja baulich mitzureden.

    Grüße aus Salzburg von Josef K.