EMC – ElektroMobilitätsClub

Wenn Elektroautos Elektroautos die Ladesäulen verstellen (2/2)

verbrennerBei der Gruppe 3 hingegen muss man wieder etwas differenzieren: Es gibt Fahrer, die ihr Auto (offensichtlich aus Unwissenheit oder mangels schlechter Einschulung seitens des Autohändlers beim Verkauf bzw. der Übergabe des Fahrzeugs) an der “falschen” Säule anschließen. Hier spreche ich aber nicht vom falschen Steckertyp (AC, CHAdeMO oder CCS), da man hier ja praktisch ohnehin nicht viel falsch machen kann, sondern von Fahrern, die ihr Fahrzeug an Ladesäulen mit HOHER Leistung anschließen, obwohl ihr Fahrzeug diese hohen Leistungen gar nicht aufnehmen kann und Ladesäulen mit NIEDRIGERER Leistung frei wären. Dazu 2 Beispiele:

1.) ein BMW i3 kann nicht auf der 50kW CHAdeMO laden, weil diese belegt ist und hängt sich an 43kW AC, obwohl daneben ein 11kW Supportlader frei wäre. Da der i3 auf AC nur 3,7kW laden kann, ist er auf der 43kW um keine Sekunde schneller mit dem Laden fertig als an 11kW, BLOCKIERT aber einem Fahrzeug, das mit 22kW oder 43kW laden könnte, (zum Beispiel Renault Zoe) den Ladeanschluss.

2.) ein Tesla Model S, bei dem der Fahrer über keinen CHAdeMO-Adapter verfügt hängt sich an 43kW AC, obwohl daneben ein 11kW oder ein 22kW Supportlader frei wären. Da der Tesla standardmäßig auf AC nur 11kW laden kann, wäre der 11kW-Anschluss hier die richtige Wahl. Verfügt das Fahrzeug jedoch über eine bessere Lademöglichkeit (22kW bei alten bzw. 16,5kW bei Facelift-Modellen) so wäre hier die 22kW die optimale Anschlussstelle.

Generell hier nochmals der Aufruf an alle Elektroautobesitzer (eure Nachfolger werden es euch danken)

BITTE   HÄNGT   EURE   FAHRZEUGE   NICHT   AN LADESÄULEN   AN,   DIE  MEHR   LEISTUNG   LIEFERN, ALS   EUER   FAHRZEUG   ÜBERHAUPT   LADEN   KANN, WENN   EIN   ENTSPRECHENDER   LADEANSCHLUSS FREI   IST

UND

VERLASST   DIE   LADESÄULE,   SOBALD   EUER FAHRZEUG   VOLL   (BZW. AUF 80%)   GELADEN   IST

Zum Abschluss noch einige Gedanken vom Erfinder des Unplugstickers, Stephan Herschel  (im vorigen Teil bereits erwähnt), wie er auf die Idee des Unplugsticker gekommen ist:

Eine typische Situation an der Ladestation: Ich komme hin, weil ich laden möchte, der Parkplatz ist jedoch durch einen anderen Wagen besetzt. Im schlechtesten Fall von einem Verbrenner (siehe Beitragsbild, welches diesmal KEIN gestelltes Foto, sondern leider unsere alltägliche Beobachtung ist), im günstigsten Fall von einem ladenden Elektroauto. Es passiert ja glücklicherweise nicht so oft,  aber manchmal eben doch, wie zum Beispiel, als ich im Herbst vorigen Jahres verärgert genug war, über eine Lösung des Problems nachzudenken. Eine gute Methode, Ärger zu kanalisieren.

Es ist ja nicht so, dass es keine einfachen Lösungen für dieses Problem gäbe. Die einfachste ist die Ladescheibe: man legt eine Art grüner Parkscheibe vorne ins Auto, an der man einstellen kann, wie lange man noch zu laden hätte. Wenn man zuvorkommend ist, schreibt man eine Telefonnummer drauf, unter der man erreichbar ist. Aber so leid es mir tut, solch eine Ladescheibe habe ich noch nie in TATSÄCHLICHER Verwendung gesehen; da erhob sich mir der Verdacht, dass die wenigsten Autofahrer diszipliniert genug sind, konsequent daran zu denken, diese zu verwenden und zu platzieren (MICH eingeschlossen).

Also, die Lösung musste etwas sein, um das ich mich nicht jedesmal zu kümmern habe. Und dann irgendwann wurde diese Gedankenkette ein Selbstläufer und mündete  im Unplugsticker. Wie gut, dass ich doch so gerne programmiere.

Kurz erklärt ist der Unplugsticker ein Aufkleber mit einem eindeutigen QR-Code, über den man nach dem Einscannen ins Mobiltelefon mit dem Besitzer des Elektrofahrzeuges, auf welchem der Sticker angebracht ist, kommunizieren kann. In die eine Richtung: “Hallo, ich möchte laden”. In die andere Richtung: “ich bleib da noch eine Stunde”. Das Ganze soll möglichst einfach und anonym ablaufen. Und dabei werden keine unnötigen Daten gehortet und verarbeitet. Es soll einfach eine Lösung für ein Problem sein, dem sich so gut wie jeder Elektromobilist von Zeit zu Zeit gegenübergestellt sieht.

(c) Gert Scherhammer